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mit AVAGLIANO Ihr erstes Album SOL ist seit wenigen Tagen veröffentlicht. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt?
Naja, es ist mein erstes Solo-Album. Für mich war es eine lange Geburt, weil ich ein sehr vielfältiger Mensch und Musiker bin. Ich hatte ja schon vor über 10 Jahren meine ersten Veröffentlichungen auf namhaften Samplern und bin daher kein "Newcomer" im eigentlichen Sinne sondern eher ein alter Studio-Hase.
Ein Album zu machen bedeutete für mich aber eine klare Linie zu fahren, den roten Faden nicht zu verlieren. Für einen echten Künstler ist dieses nicht immer einfach, da die Vibrations jeden Tag anders sind und man durch diverse Remix-Aufträge die Vielfalt gewohnt ist.
Ich habe musikalisch zum ersten Mal in meinem Leben alle Energie die ich zur Verfügung hatte gebündelt und auf ein Ziel gelenkt. Diese CD ist für mich ein Juwel, klanglich und auch visuell. Ich sehe diese CD als "Hallo Welt" an, eine neue Geburt, bei der die Menschen ein Teil von mir bekommen und den ersten Schritt machen, mich kennen zu lernen.
Sie haben eine sehr bildhafte Sprache. Ihnen scheint auch sonst viel daran zu liegen, Ihre Aussagen durch Bilder zu bekräftigen.
Bilder nutze ich beim sprechen (ich bin Italiener und rede viel mit den Händen :-) ) ebenso wie beim Komponieren. Sie transportieren die Botschaft direkter. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Das ist der Grund dafür, dass ich so viel Wert darauf gelegt habe die CD nicht in einer einfachen Standard-Plastikverpackung anzubieten, sondern in einem vollbedruckten Hochglanz-Digipack mit ausdrucksstarken visuellen Botschaften. Gerade im Zeitalter von MP3 & Co, in dem man sich die Titel auch im Internet herunterladen kann, ist es mir besonders wichtig einen echten Mehrwert für das Geld anzubieten. Eine MP3-Datei ist schnell gelöscht, eine CD ist manifestierte Kunst - sie ist physisch präsent und zwar in unserer "echten" Welt zum anfassen, nicht nur virtuell am PC.
Ich mag Dinge die Ästhetik besitzen und über die bloße Funktionalität hinausgehen. Es ist einfach schön, wenn sich die Menschen in einem ruhigen Moment mit der CD hinsetzen und sich fragen, was für Gedanken hinter jenem Bild stecken und warum es gerade so gestaltet wurde. Ich möchte mit meiner Musik den Menschen keine Wege zeigen sondern Sehnsucht erwecken - die Sehnsucht zu fragen, wonach auch immer...
Die Sounds, die Sie in SOL verarbeitet haben, gehen unleugbar unter die Haut. Man fühlt sich rundherum angesprochen und kann sich so ganz anders auf die Musik einlassen. Die Musik ist auf diese Art sehr lebendig. Wie sehr war das gewollt?
Hmm... (*lacht*) es war sehr gewollt und auch geplant. Ich habe ja schon fünf Monate nur an den Sounds gesessen, ohne ein Stück Musik zu komponieren. Ich weiß, dass viele Künstler aus Kostengründen oft die gleichen Sounds für die Titel ihres kompletten Albums nutzen, meist noch Preset-Sounds - also vorgefertigt.
Das würde für mich überhaupt nicht in Frage kommen. Gerade weil meine Musik instrumental ist, habe ich auf der Sound-Ebene einen hohen Anspruch an mich selbst, ganz zu schweigen davon, dass ich es liebe, Sounds zu erstellen.
Ich "fühle" beim Sounddesignen Farben. Beim Komponieren weiß ich dann intuitiv welche Sounds mit welchen Farben für welchen Titel eingesetzt werden müssen, wenn der Titel eine bestimmte Farbe und Stimmung haben soll. Es ist wie beim Kochen. Man muss die richtigen Zutaten für das jeweilige Gericht haben, ich würde z.B. niemals Rosmarin verwenden, wenn ich chinesisch koche.
Wie beim eigentlichen Produzieren eines Musiktitels muss man auch beim Sounddesign wissen, in welche Richtung der mögliche Titel gehen könnte, bevor man ihn überhaupt angefangen hat. Der Ton macht die Musik. Deshalb sind, abgesehen von der eigentlichen Musik, auch die Sounds enorm wichtig.
Ich setze Frequenzen gezielt ein, weil ich weiß, dass das menschliche Ohr bestimmte Frequenzen in Kombination anders wahrnimmt. Wenn Frequenzen fehlen, dann simuliert das Gehirn die fehlenden Frequenzen und das kann ermüdend wirken. Es gibt Studien darüber, die belegen, dass z.B langes MP3-hören eben aus diesen Gründen ermüdend wirken kann.
Ich baue bei meinen Titeln immer Füllfrequenzen ein. Ich habe irgendwann einmal das Wort Junk-Frequenz erfunden, damit meine ich eben jene Frequenzen die nicht hörbar, aber subtil wahrnehmbar sind und die das Hören zum Genuss werden lassen.
Ganzheitlich Musikhören...?
Ja, ganzheitlich trifft es auf den Punkt. Lassen Sie uns eine Reise unternehmen ohne uns von der Stelle zu bewegen. Vor Jahrhunderten brachen unsere Vorfahren auf, um neues Land zu entdecken. Ich finde es ist Zeit, dieses zu wiederholen, aber diesmal geht die Reise nach innen. Die Musik soll uns helfen jene Orte zu bereisen.
Sie betreiben auch Klangforschung. Um was genau handelt es sich dabei? Könnten Sie das etwas genauer erklären?
Im Grunde geht es darum, Frequenzen bewusst einzusetzen. Ich beobachte die Auswirkungen von Frequenzen und Frequenzüberlagerungen am Bewusstsein, an Pflanzen und Tieren. Mein Hund wird beispielsweise regelmäßig zum anschmiegsamen Schmuser, wenn ich bestimmte Rhythmen oder Klänge spiele. Er kommt dann "einfach so" zu mir und zeigt mir, dass mit ihm etwas passiert, dass ihn etwas berührt.
Es ist hochinteressant, wie sich das Befinden und Verhalten von Lebewesen durch Musik messbar verändert. Das dürfte vielleicht schon bekannt sein. Es gibt bereits einige Studien verschiedener Institute, zum Beispiel die "International Music and Art Research Association Austria", kurz IMARAA, die sich mit der Wirkung von Musik und Klängen befassen.
Ich erschaffe und forsche ständig nach neuartigen Sounds. Klänge die mich bewegen und mir neue Türen öffnen, meine Phantasie beflügeln. Das möchte ich vor allem auch anderen Menschen zugänglich machen. Klang ist etwas sehr spirituelles.
Ich muss zugeben, diese Wissenschaft ist sehr vielschichtig. Eigentlich darf man dieses Thema nicht in Kurzform behandeln. Das wird ihm nicht gerecht und es entsteht vielleicht ein falscher oder zumindest unvollständiger Eindruck.
Sie scheinen sehr hohe Ideale zu verfolgen. Das Booklet beispielsweise, das man in Ihrem Album "SOL" findet, beinhaltet neben wunderbaren Eindrücken des Universums auch Poetisches und Philosophisches. Es ist offenbar, dass Sie sich dem Thema Universum intensiv - in einer sehr liebevollen Weise, wenn ich das sagen darf – widmen. Das vermag, in diesem Fall den Leser, tief zu beeindrucken.
Dankeschön.
Im Prinzip kann ich sagen, dass ich in meiner Kindheit durch die Astronomie zur Philosophie gelangt bin.
Zuerst bewundert man noch das Universum, dann sieht die eigene Position im Verhältnis zum großen Ganzen und fragt sich nach einer Weile ob da nicht noch mehr hinter dem Sichtbaren ist. Diese Frage war für mich - wie für viele Menschen - der Anfang von allem.
Die Musik ist der Ausdruck meines Lebensgefühls. Sie beschreibt die enge Verbindung zu den Sternen, reflektiert die Sehnsucht in mir - eine Sehnsucht nie anzukommen und geistig ständig unterwegs zu sein, sich führen zu lassen und Vertrauen zu haben.
Es gibt für mich zwei Gesetze im Universum, das Erste ist die Liebe, das zweite die Mathematik. Wenn man beides miteinander mischt, dann wird wahre Musik geboren …
Eigentlich wäre das das ideale Schlusswort. Eine Frage möchte ich noch loswerden:
Was werden wir in der Zukunft von AVAGLIANO erwarten dürfen? Was ihr grundsätzlich erwarten dürft:
Als erstes solltet ihr auf Vielfalt eingestellt sein. Ich werde mich ständig ändern, das entspricht meiner Natur. Bei mir gibt es nichts was es nicht gibt. *lacht*
Und ganz wichtig:
Egal welchen Style ich in Zukunft produzieren werde, ich werde ein Album immer erst dann veröffentlichen wenn es meiner strengen Eigenkritik standhält. Vielleicht dauert es dadurch etwas länger als im Musikbusiness üblich. Das Warten soll sich jedoch immer lohnen. Klasse statt Masse.
Ich habe aktuell ein Chill-Out / Lounge Sampler angefangen. Der Sound wird nicht so spacig sein wie bei SOL, dafür sehr warm und er wird die Vorfreude auf den Urlaub steigern. Musikalische Sonne satt!
Außerdem produziere ich ab August 2006 ein paar neue House-Titel, die ich in diversen Clubs europaweit, vor allem aber im Mittelmeer-Raum, mit einer Live-Performance koppeln werde.
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